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Claude für Anwälte: § 203 und der saubere Weg
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- Phillip Pham
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Anwälte sollen Claude nutzen
TL;DR
Anwälte sollen Claude nutzen. Recherche und Entwürfe ohne Mandatsbezug laufen direkt. Sobald eine Akte, ein Schriftsatz oder Mandantenpost in den Prompt kommt, läuft dasselbe Modell über einen EU-Endpunkt bei AWS oder Google, mit Vertrag nach § 43e BRAO. Ein Entwurf zur Berufsverschwiegenheit schließt die Vertragslücke beim Direktbezug. Den Ort der Verarbeitung beantwortet er nicht.
Stand: 6. Oktober 2026. Der Zusatz lag im August 2026 Marktteilnehmern als Entwurf vor. Anthropic hat ihn nicht öffentlich veröffentlicht, der Wortlaut kann sich ändern. Diese Seite ist eine redaktionelle Einordnung, keine Rechtsberatung. Den konkreten Einsatz klärt die Kammer oder eine Kanzlei mit Berufsrecht.
Warum Claude
Kanzleiarbeit ist langer Text mit Fundstelle: Vertrag, Akte, Schriftsatz. Dafür sollen Anwälte Claude nehmen. Ein Dokument am Stück, Zitate mit Seite, ein Ton, der sich an das eigene Playbook halten lässt. Wie die PDF-Auswertung technisch läuft, steht in PDF-Dokumente mit Claude.
Das Modell und der Ort der Verarbeitung sind zwei Beschlüsse. Das Modell ist Claude. Der Ort hängt davon ab, ob im Prompt ein Geheimnis steht.
Was § 203 und § 43e verlangen
§ 203 StGB stellt unter Strafe, wer als Anwalt ein fremdes Geheimnis unbefugt offenbart. Seit der Reform 2017 dürfen externe Dienstleister als sonstige mitwirkende Personen einbezogen werden, wenn sie zur Geheimhaltung verpflichtet sind. Ein Verstoß ist dann auch für den Dienstleister strafbar.
§ 43e BRAO bestimmt die Form dieser Verpflichtung:
- Vertrag in Textform
- Belehrung über die strafrechtlichen Folgen einer Pflichtverletzung
- Kenntnis nur, soweit die Vertragserfüllung sie verlangt
- Weitere Personen nur, wenn der Vertrag das erlaubt, und dann dieselbe Verpflichtung in Textform
- Sorgfältige Auswahl, Abbruch der Zusammenarbeit, sobald die Vorgaben nicht gehalten werden
Der Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO regelt den Datenschutz. Die Verschwiegenheit mit Belehrung ist eine eigene berufsrechtliche Ebene. Beides gehört in die Akte.
Zwei Absätze entscheiden den Einsatz.
Absatz 4. Wird die Leistung im Ausland erbracht, darf der Anwalt Geheimnisse nur öffnen, wenn der Schutz dort dem Inland vergleichbar ist. Eine Verarbeitung, die in den USA liegen muss, trägt diesen Vergleich kaum. Eine Verarbeitung in der EU wird regelmäßig als vergleichbar behandelt.
Absatz 5. Dient die Leistung unmittelbar einem einzelnen Mandat, braucht es die Einwilligung dieses Mandanten. Eine pauschale Kanzleifreigabe ersetzt das nicht, wenn der Prompt die Akte genau dieses Mandats enthält.
Für Steuerberater steht die Parallele in § 62a StBerG. Ärzte fallen unter § 203 StGB, ohne die Konkretisierung der BRAO.
Der Entwurf zur Verschwiegenheit
Microsoft und Google führen seit Jahren Zusatzvereinbarungen zur Berufsverschwiegenheit. Bei Anthropic fehlte das. Im August 2026 lag ersten Marktteilnehmern ein Entwurf vor, das „German Professional Secrecy Addendum“. Anthropic hat das Dokument nicht öffentlich angekündigt. Den Inhalt haben Kanzleien beschrieben, die den Entwurf gesehen haben. Die zusammenhängende Darstellung hat Scaly im August 2026 unter „KI für Anwälte“ veröffentlicht.
Der Entwurf bildet den Katalog aus § 43e Abs. 3 BRAO ab:
| Baustein | Pflicht, die er abdeckt |
|---|---|
| Einordnung als sonstige mitwirkende Person nach § 203 Abs. 3 StGB | Anthropic steht selbst im strafbewehrten Geheimnisschutz |
| Belehrung über §§ 203, 204 StGB | § 43e Abs. 3 Nr. 1 BRAO |
| Vertraulichkeit, Kenntnis nur bei Bedarf | § 43e Abs. 3 Nr. 2 BRAO |
| Personal und Subunternehmer in Textform, mit Weitergabekette | § 43e Abs. 3 Nr. 3 BRAO |
Damit ist die Vertragsfrage auf dem Weg. Die Ortsfrage ist offen. Wer Claude direkt bezieht, über claude.ai, Cowork oder die API, lässt die Anfrage nach dem Stand dieser Berichte in den USA verarbeiten. Eine EU-Region für den Direktbezug steht auf der Roadmap, ein Datum fehlt. Solange das so ist, trägt der Entwurf allein keine Mandatsdaten im Direktbezug.
Kommt die EU-Region, steht Claude berufsrechtlich auf derselben Stufe wie Microsoft, Google oder AWS mit EU-Angebot. Gleichrang.
So setzen Kanzleien Claude ein
| Arbeit | Weg |
|---|---|
| Recherche, Entwürfe, interne Organisation ohne Mandatsbezug | Claude direkt bei Anthropic |
| Akte, Mandantenvertrag, Schriftsatz, Korrespondenz | Claude über Amazon Bedrock in einer EU-Region oder Google Vertex AI mit EU-Endpunkt |
| Der Mandatsvertrag oder das Netz verbietet jeden Ausgang | Eigenes Modell auf dem KI-Server |
Der EU-Weg ist der Normalfall für Mandatsdaten, und das Modell darauf ist Claude. Welche Bedrock-Regionen in der EU verarbeiten und warum Microsoft Foundry Stand August 2026 keine EU-Inferenz ist, steht in Claude EU-Datenresidenz.
Der eigene Server ist die Ausnahme, wenn die Datei das Haus nicht verlassen darf. Qualität und Kosten dieser Ausnahme stehen in Claude oder selbst betrieben. Die drei Lagen unabhängig vom Berufsrecht: Managed Claude, Bedrock oder eigener Server.
Jede Kanzlei schreibt dazu eine interne Regel: welche Vorgänge direkt dürfen, welche nur über den EU-Endpunkt, welche gar nicht. Private Konten bleiben für Aktenarbeit geschlossen. Die Mitarbeiter kennen die Grenze, bevor das erste Dokument hochgeladen wird.
Was im Vertrag stehen muss
- Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO
- Verschwiegenheit in Textform, mit Belehrung nach §§ 203, 204 StGB
- Kenntnis nur, soweit die Leistung sie verlangt
- Subunternehmer nur mit derselben Verpflichtung in Textform
- Verarbeitungsregion in der EU, sobald ein Geheimnis im Prompt steht
- Ausschluss der Nutzung für das Training des Modells
- Löschung und ein geregelter Exit
- Einwilligung des Mandanten, wenn der Vorgang unmittelbar diesem Mandat dient (§ 43e Abs. 5 BRAO)
Geheimhaltungsklauseln im Mandatsvertrag können enger sein als das Berufsrecht. Die Einordnung: Weitergabe von Kundendaten.
Häufige Fragen
Sollen Anwälte Claude nutzen?
Ja. Für Verträge, Akten und Schriftsätze ist Claude das Modell. Ohne Geheimnis im Prompt direkt, mit Mandatsbezug über einen EU-Endpunkt bei AWS oder Google.
Reicht der Verschwiegenheits-Zusatz für den Direktbezug von Mandatsdaten?
Nach dem Stand vom August 2026 trägt er das allein nicht. Er beantwortet die Vertragsfrage. § 43e Abs. 4 BRAO verlangt zusätzlich einen dem Inland vergleichbaren Schutz am Ort der Verarbeitung. Der fehlt, solange die Anfrage in den USA läuft.
Reicht der Auftragsverarbeitungsvertrag?
Er regelt den Datenschutz. Die Belehrung und die Verschwiegenheit nach § 43e Abs. 3 BRAO kommen dazu.
Darf die Akte in ein privates claude.ai-Konto, wenn die Kanzlei einen EU-Endpunkt hat?
Die Akte gehört auf den vereinbarten EU-Weg. Der Direktbezug bleibt für Arbeit ohne Geheimnis.
Quellen & Weiterführende Links
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