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Claude EU-Datenresidenz: Bedrock, Vertex, Foundry

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Claude mit EU-Datenresidenz: welcher Weg trägt und was er kostet

TL;DR

Von den drei Cloud-Wegen zu Claude bieten zwei eine echte EU-Datenverarbeitung: Amazon Bedrock in vier EU-Regionen und Google Vertex AI über EU-Multi-Region-Endpunkte. Microsoft Foundry bietet sie Stand August 2026 nicht — auch bei Deployment in Sweden Central läuft die Inferenz auf Anthropic-Infrastruktur. Der Haken beim EU-Weg: Sie verlieren einen erheblichen Teil des Funktionsumfangs.


Stand: 4. August 2026. Verfügbarkeiten in diesem Feld ändern sich quartalsweise — prüfen Sie die Angaben an der Herstellerdokumentation, bevor Sie eine Beschaffung darauf stützen. Diese Seite wird quartalsweise aktualisiert.

Die Frage hinter der Frage

"Ist Claude DSGVO-konform?" ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Wo genau wird verarbeitet, und was steht im Vertrag mit wem?

Claude ist über vier Wege erreichbar, und sie unterscheiden sich rechtlich und funktional erheblich:

  1. Anthropic-API direkt — Vertragspartner ist Anthropic
  2. Amazon Bedrock — Vertragspartner ist AWS, das Modell läuft in Ihrer AWS-Region
  3. Google Vertex AI — Vertragspartner ist Google Cloud
  4. Microsoft Foundry — Vertragspartner ist Microsoft, abgerechnet über den Marketplace

Der entscheidende Unterschied ist nicht der Preis. Es ist die Frage, ob die Inferenz — also die eigentliche Verarbeitung Ihrer Prompts — den europäischen Rechtsraum verlässt.

Der Befund

Amazon Bedrock: ja. Claude läuft in mehreren EU-Regionen, darunter Frankfurt (eu-central-1), Irland (eu-west-1), Paris (eu-west-3) und Stockholm (eu-north-1). Die Verarbeitung findet in der gewählten Region statt, Vertragspartner ist AWS mit dem bestehenden Auftragsverarbeitungsvertrag.

Google Vertex AI: ja. Google hat EU-Multi-Region-Endpunkte für Claude eingeführt, die Anfragen über mehrere EU-Regionen verteilen und die Verarbeitung dabei im gewählten geografischen Raum halten. Die Endpunkte haben ein eigenes Adressformat:

https://aiplatform.eu.rep.googleapis.com/v1/projects/<PROJEKT>/locations/eu/publishers/anthropic/models/...

Der Vorteil gegenüber einer einzelnen Region: höhere Verfügbarkeit, weil Kapazität gebündelt wird. Der Modus befindet sich in öffentlicher Vorschau — prüfen Sie den Reifegrad, bevor Sie Produktivlast darauf legen.

Microsoft Foundry: nein. Claude ist auf Foundry allgemein verfügbar, mit Azure-nativer Abrechnung und Governance. Eine europäische Datenzone existiert Stand August 2026 nicht. Auch wenn Sie in Sweden Central bereitstellen, läuft die Inferenz auf Anthropic-Infrastruktur. Anthropics eigene Dokumentation führt die Datenresidenz-Zusagen für Bedrock und Vertex — und nicht für Foundry. Microsoft hat eine EU-native Unterstützung öffentlich für 2026 in Aussicht gestellt, ein Termin steht nach unserem Kenntnisstand nicht fest.

Das ist der Punkt, an dem in deutschen Beschaffungsprozessen regelmäßig eine falsche Annahme steckt: "Wir sind Microsoft-Haus, also nehmen wir Claude über Foundry, dann ist die Datenlage geklärt." Ist sie nicht.

Der vierte Weg, den kaum jemand kennt

Die Anthropic-API selbst kennt einen Parameter zur Steuerung des Verarbeitungsraums: inference_geo. Er wird als normaler Top-Level-Parameter übergeben — nicht über extra_body:

response = client.messages.create(
    model="claude-opus-5",
    max_tokens=4096,
    inference_geo="us",          # Wert an der aktuellen Dokumentation prüfen
    messages=[{"role": "user", "content": "..."}],
)

# Wo tatsächlich verarbeitet wurde, meldet die Antwort zurück
print(response.usage.inference_geo)

Zwei Dinge dazu, weil sie den praktischen Wert bestimmen:

Der Parameter ist auf der Anthropic-API und Claude Platform on AWS verfügbar — und ausdrücklich nicht auf Bedrock, Vertex oder Foundry. Wer also über einen der drei Cloud-Wege geht, kann ihn nicht nutzen.

Und: response.usage.inference_geo meldet zurück, wo tatsächlich verarbeitet wurde. Das ist die interessantere Hälfte — ein prüfbarer Nachweis für Ihr Verarbeitungsverzeichnis statt einer Zusage im Vertragstext. Welche Werte der Parameter aktuell annimmt, prüfen Sie an der Herstellerdokumentation; die Liste wird erweitert.

Der Preis der EU-Residenz: Sie verlieren das halbe Produkt

Hier kommt der Teil, den wir in keiner deutschsprachigen Quelle gefunden haben und der jede Architekturentscheidung dominieren sollte.

Der Funktionsumfang von Claude unterscheidet sich erheblich zwischen den Plattformen. Wer wegen der Datenresidenz auf Bedrock oder Vertex geht, verliert eine ganze Reihe von Funktionen:

FunktionAnthropic-APIBedrockVertexFoundry
Nachrichten, Streaming, Tool-Nutzungjajajaja
Prompt-CachingjajajaBeta
Automatisches Prompt-CachingjaneinneinBeta
Batch-Verarbeitung (50 % Rabatt)janeinneinnein
Files-APIBetaneinneinBeta
Web-Suchejaneinja (Basis)Beta
Web-AbrufjaneinneinBeta
Code-AusführungjaneinneinBeta
Managed AgentsBetaneinneinnein
MCP-ConnectorBetaneinneinBeta
Programmatische WerkzeugaufrufejaneinneinBeta
Agent SkillsBetaneinneinBeta
Datenresidenz-Parameterjaneinneinnein

Lesen Sie die Spalte "Bedrock" einmal von oben nach unten. Sie bekommen EU-Verarbeitung — und verlieren dafür Batch-Verarbeitung (also den 50-Prozent-Rabatt für nicht eilige Last), serverseitige Web-Suche, Code-Ausführung, die Files-API und die gesamte Agenten-Plattform.

Für eine reine Textverarbeitung ist das irrelevant. Für ein Produkt, das Dokumente hochlädt, Recherchen durchführt oder Agenten betreibt, ist es die Architekturentscheidung.

Was daraus folgt

Drei Wege, je nach Anforderungslage.

Wenn die Daten den EU-Raum nicht verlassen dürfen und Sie AWS nutzen: Bedrock in eu-central-1. Planen Sie ein, dass Batch, Files-API und serverseitige Werkzeuge nicht zur Verfügung stehen — was Sie davon brauchen, bauen Sie selbst oder lassen es weg.

Wenn Sie Google Cloud nutzen: Vertex mit EU-Multi-Region-Endpunkt, mit denselben Einschränkungen und dem Zusatzhinweis, dass der Modus in Vorschau ist.

Wenn Sie Microsoft-Haus sind und EU-Residenz brauchen: Aktuell führt kein Weg über Foundry. Entweder Sie nehmen Bedrock oder Vertex als zweiten Cloud-Anbieter dazu, oder Sie warten. Die dritte Option — die Anthropic-API direkt mit Auftragsverarbeitungsvertrag — ist eine bewusste Entscheidung für eine Verarbeitung außerhalb der EU und braucht die entsprechende Rechtsgrundlage. Wie diese Prüfung aussieht, steht im Beitrag zu Claude Enterprise, DSGVO und AVV.

Und die unbequeme vierte Möglichkeit, die wir in Sizing-Gesprächen regelmäßig auf den Tisch legen: Wenn die Datenlage so streng ist, dass keiner dieser Wege trägt, ist ein selbst betriebenes offenes Modell die ehrlichere Antwort als ein Claude-Aufbau, der die Anforderung nur knapp verfehlt. Die Abwägung dazu steht im Vergleich von Claude und selbst gehosteten Modellen.

Häufig gestellte Fragen

Bietet Microsoft Foundry EU-Datenresidenz für Claude?

Stand August 2026 nicht. Claude ist auf Foundry allgemein verfügbar, aber eine europäische Datenzone existiert nicht — auch bei Bereitstellung in Sweden Central läuft die Inferenz auf Anthropic-Infrastruktur. Anthropics Dokumentation führt Datenresidenz-Zusagen ausdrücklich für Bedrock und Vertex AI, nicht für Foundry. Microsoft hat eine EU-native Unterstützung für 2026 in Aussicht gestellt.

In welchen EU-Regionen läuft Claude auf Amazon Bedrock?

In mehreren, darunter Frankfurt (eu-central-1), Irland (eu-west-1), Paris (eu-west-3) und Stockholm (eu-north-1). Die Verarbeitung findet in der gewählten Region statt, und Vertragspartner ist AWS unter dem bestehenden Auftragsverarbeitungsvertrag. Welche Modellgeneration in welcher Region verfügbar ist, unterscheidet sich — prüfen Sie das vor der Festlegung.

Was kostet mich die Entscheidung für EU-Datenresidenz funktional?

Erheblich. Auf Bedrock und Vertex stehen Batch-Verarbeitung mit 50 Prozent Rabatt, die Files-API, serverseitige Code-Ausführung, der MCP-Connector und die Managed-Agents-Plattform nicht zur Verfügung; serverseitige Web-Suche fehlt auf Bedrock ganz und ist auf Vertex nur in der Basisvariante verfügbar. Für reine Textverarbeitung ist das folgenlos, für Agenten- und Dokumentenanwendungen ist es die entscheidende Einschränkung.

Wie weise ich nach, wo tatsächlich verarbeitet wurde?

Über die Anthropic-API meldet response.usage.inference_geo den Verarbeitungsraum je Anfrage zurück — ein prüfbarer Nachweis statt einer bloßen Vertragszusage. Der zugehörige Anfrageparameter steht allerdings nur auf der Anthropic-API und Claude Platform on AWS zur Verfügung, nicht auf Bedrock, Vertex oder Foundry. Dort führen Sie den Nachweis über die Regionsauswahl und die Vertragsunterlagen des Cloud-Anbieters.

Ist Claude Platform on AWS dasselbe wie Amazon Bedrock?

Nein, und die Verwechslung ist folgenreich. Claude Platform on AWS wird von Anthropic betrieben und nutzt AWS nur für Authentifizierung (SigV4), Zugriffssteuerung und Abrechnung — der Funktionsumfang entspricht der Anthropic-API mit taggleicher Parität, und die Modell-IDs sind die unveränderten Erstanbieter-Kennungen. Amazon Bedrock ist ein von AWS betriebener Dienst mit eigenem Veröffentlichungsrhythmus, reduziertem Funktionsumfang und anthropic.-präfixierten Modell-IDs.


Der nächste Schritt

Klären Sie zwei Dinge, bevor Sie eine Plattform festlegen: Muss die Verarbeitung im EU-Raum stattfinden, und brauchen Sie Batch, Dateiverarbeitung oder Agenten? Wenn beide Antworten "ja" lauten, haben Sie einen Zielkonflikt, den Sie besser jetzt auflösen als nach der Implementierung. Wir schauen uns das gern mit Ihnen an.

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