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KI-Stückliste: CAD zu BOM in 10 Minuten

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TL;DR

Eine KI-Stückliste spart Konstrukteuren durchschnittlich 4,2 Stunden pro Baugruppe. Der automatische BOM Generator analysiert CAD-Daten, erkennt Normteile und erstellt die Stückliste in unter 10 Minuten statt manuell in 4+ Stunden. Ergebnis: 85 % weniger Fehler, €43.000 Einsparung pro Jahr.


38 Stunden pro Woche für Stücklisten — ein Konstruktionsbüro rechnet nach

Ein Maschinenbauer aus Schwaben mit 14 Konstrukteuren hat gemessen: Pro Woche fließen 38 Arbeitsstunden in das manuelle Erstellen und Pflegen von Stücklisten. Das sind 1.976 Stunden im Jahr — der Arbeitsumfang von fast einer ganzen Vollzeitstelle, die ausschließlich Teilelisten tippt.

Die typischen Probleme kennt jeder, der mit CAD-Systemen arbeitet:

  • Normteile manuell zuordnen: DIN/ISO-Nummern nachschlagen, Werkstoff prüfen, Lieferantenbezeichnung eintragen
  • Varianten-Chaos: 12 Versionen einer Baugruppe, jede mit leicht abweichender BOM
  • Fehlerquote 6,3 %: Falsche Mengen, vergessene Kaufteile, veraltete Zeichnungsstände
  • ERP-Abgleich: Stückliste in SolidWorks erstellen, manuell ins SAP übertragen, doppelte Datenpflege

Das Resultat: Bestellfehler, Produktionsstillstände und frustrierte Konstrukteure, die lieber entwickeln als tippen würden.

So funktioniert eine KI-Stückliste aus CAD-Daten

Die KI-gestützte Stücklistenerstellung arbeitet in drei Stufen. Anders als einfache CAD-Exportfunktionen versteht der BOM Generator die Semantik der Konstruktion.

Stufe 1: CAD-Analyse und Feature-Erkennung

Das System liest STEP-, IGES- oder native Formate (SolidWorks, Inventor, CATIA) ein und analysiert die Baugruppenstruktur. Jedes Einzelteil wird geometrisch klassifiziert.

KI-Stückliste Pipeline:
  input:
    formate: [STEP, IGES, SolidWorks, Inventor, CATIA]
    max_baugruppen_tiefe: 12

  feature_erkennung:
    normteile:
      datenbank: "DIN/ISO + Herstellerkataloge (580.000 Einträge)"
      matching: "Geometrie-Hash + Toleranzvergleich"
      genauigkeit: "97.8%"

    eigenfertigungsteile:
      klassifikation: "Dreh-, Fräs-, Schweiß-, Blechteile"
      werkstoff_erkennung: "aus Materialeigenschaften im CAD"

    kaufteile:
      lieferanten_mapping: "Automatisch via API (Misumi, Norelem, Haberkorn)"
      preis_aktualisierung: "täglich"

  output:
    formate: [Excel, CSV, SAP-RFC, JSON]
    sprachen: [DE, EN]
    stücklistentyp: [Mengen, Struktur, Baukastenstückliste]

Stufe 2: Normteil-Matching mit 97,8 % Trefferquote

Der größte Zeitfresser bei manuellen Stücklisten ist das Zuordnen von Normteilen. Die KI vergleicht die Geometrie jedes Bauteils gegen eine Datenbank mit 580.000 Normteilen und Katalogartikeln. Ein Zylinderstift Ø6×30 wird automatisch als DIN 7 erkannt — inklusive Werkstoff, Oberfläche und Bestellnummer beim hinterlegten Lieferanten.

Stufe 3: ERP-Integration und Plausibilitätsprüfung

Vor dem Export prüft das System die BOM auf typische Fehler:

PrüfungBeispielAutomatische Korrektur
Mengenplausibilität4 Schrauben, aber 6 BohrungenWarnung + Vorschlag
WerkstoffkonsistenzEdelstahlschraube in AluminiumKontaktkorrosions-Hinweis
ZeichnungsstandTeil geändert, BOM veraltetAutomatische Aktualisierung
Doppelte EinträgeGleichteil unter 2 NummernZusammenführung

Praxisbeispiel: Maschinenbauer aus Baden-Württemberg

Unternehmen: Sondermaschinen für die Lebensmittelindustrie, 62 Mitarbeiter, 8 Konstrukteure

Vorher: Durchschnittlich 4,5 Stunden pro Stückliste, 23 Baugruppen pro Monat, Fehlerquote 6,3 %

Nachher mit KI-Stückliste:

  • Erstellungszeit: 8 Minuten pro Baugruppe (statt 4,5 Stunden)
  • Fehlerquote: 0,9 % (statt 6,3 %)
  • Normteil-Erkennung: 97,8 % automatisch korrekt
  • Monatliche Zeitersparung: 103 Stunden (23 × 4,4 Stunden)

Finanzielle Auswirkung:

  • Eingesparte Konstrukteursstunden: 1.236 h/Jahr × €52/h = €64.272
  • Weniger Bestellfehler: €12.400/Jahr
  • Schnellere Angebotsphase: 2 Tage früher lieferfähig
  • Abzüglich Softwarelizenz und Schulung: €33.600/Jahr
  • Netto-Einsparung: €43.072/Jahr

Der ROI lässt sich mit unserer Excel-Vorlage für Ihr Unternehmen individuell berechnen.

Integration in bestehende CAD/ERP-Landschaft

Die meisten Mittelständler haben gewachsene IT-Strukturen. Eine KI-Stückliste muss sich nahtlos einfügen — nicht umgekehrt.

SolidWorks + SAP Business One

Die häufigste Kombination im deutschen Maschinenbau. Der BOM Generator liest die SolidWorks-Baugruppe, erstellt die Stückliste und überträgt sie per RFC-Schnittstelle direkt in SAP. Änderungen in der Konstruktion werden automatisch synchronisiert.

Inventor + Microsoft Dynamics

Für Inventor-Anwender bietet die KI ein Add-in, das direkt in der Inventor-Oberfläche arbeitet. Export nach Dynamics 365 Business Central erfolgt über die Standard-API.

Schnittstelle für andere Systeme

Wer weder SAP noch Dynamics nutzt, kann über CSV- oder JSON-Export jedes ERP-System bedienen. Die KI-Implementierung lässt sich schrittweise angehen — erst Stückliste, dann Beschaffung, dann Fertigungsplanung.

Typische Stolpersteine und wie Sie sie vermeiden

Problem 1: Unstrukturierte CAD-Daten Viele Altprojekte haben keine saubere Baugruppenstruktur. Lösung: Das KI-System bietet einen „Cleanup-Modus", der fehlende Metadaten ergänzt und die Struktur bereinigt.

Problem 2: Eigenfertigungsteile ohne Sachnummer Wenn interne Teile keine eindeutige Nummer haben, kann die KI keine BOM-Position zuordnen. Lösung: Automatische Vergabe nach Klassifikationsschema (z. B. eCl@ss).

Problem 3: Mitarbeiter-Akzeptanz Konstrukteure sehen die Automatisierung manchmal als Bedrohung. Tipp: Den Fokus auf „mehr Zeit für echte Konstruktion" legen. Unsere Erfahrung zeigt, dass nach 2 Wochen Einarbeitung 94 % der Nutzer nicht mehr zurück wollen.

Ähnliche Effizienzgewinne erreichen Unternehmen auch bei der automatischen Schweißnahtprüfung und der Verschleißerkennung an Stanzwerkzeugen.

Kosten und Amortisation

PostenEinmaligJährlich
Softwarelizenz€12.000–€24.000
Normteil-Datenbank€4.500€2.400 (Updates)
ERP-Schnittstelle€8.000–€15.000€1.200 (Wartung)
Schulung (2 Tage)€3.200
Gesamt (Jahr 1)€15.700–€22.700€15.600–€27.600

Bei 8 Konstrukteuren und 20+ Baugruppen pro Monat liegt die Amortisation bei 4–6 Monaten.

Variantenmanagement: Stücklisten für Produktfamilien

Ein besonderer Vorteil der KI-Stückliste zeigt sich bei Variantenkonstruktionen. Wenn ein Maschinenbauer 35 Varianten eines Förderbands anbietet — unterschiedliche Längen, Antriebe, Bandmaterialien — muss er theoretisch 35 Stücklisten pflegen. In der Praxis arbeiten die meisten Betriebe mit einer Maximalstückliste und streichen manuell die nicht benötigten Positionen. Fehlerquelle Nummer eins.

Die KI erkennt die Varianzlogik: Welche Teile hängen von welchem Parameter ab? Ein 2-Meter-Förderband braucht 4 Tragrollen, ein 3-Meter-Band braucht 6. Der BOM Generator leitet diese Regel aus den CAD-Modellen ab und generiert für jede Konfiguration automatisch die korrekte Stückliste — ohne dass ein Konstrukteur eingreifen muss.

Bei einem Kunden mit 120 Produktvarianten hat das die Fehlerquote bei konfigurierten Stücklisten von 11,2 % auf 1,4 % gesenkt und die Angebotsphase um durchschnittlich 3 Arbeitstage verkürzt.

Nächste Schritte für Ihren Betrieb

  1. Bestandsaufnahme: Wie viele Stücklisten erstellen Ihre Konstrukteure pro Monat? Wie hoch ist die Fehlerquote?
  2. Pilotprojekt: Starten Sie mit einer Produktfamilie, nicht mit dem gesamten Portfolio.
  3. CAD-Daten prüfen: Sind Ihre Baugruppen sauber strukturiert? Falls nicht, planen Sie 2–3 Wochen für Bereinigung ein.
  4. ERP-Schnittstelle klären: Welches System nutzen Sie, welche Importformate werden unterstützt?

Wer die Schnittparameter beim Drahterodieren bereits optimiert hat, kennt das Prinzip: Erst Prozess verstehen, dann automatisieren.

Häufige Fragen

Funktioniert die KI-Stückliste auch mit älteren CAD-Formaten?

Ja. Neben nativen Formaten aktueller CAD-Systeme werden STEP AP203/AP214 und IGES unterstützt. Selbst 2D-Zeichnungen (DXF/DWG) können über OCR und Geometrieerkennung ausgewertet werden — allerdings mit einer geringeren Trefferquote von etwa 82 % bei Normteilen.

Wie genau ist die automatische Normteil-Erkennung?

Die Erkennungsrate liegt bei 97,8 % für Normteile nach DIN/ISO und gängige Katalogteile (Misumi, Norelem, Haberkorn). Bei firmenspezifischen Eigenteilen muss einmalig ein Training mit Ihren Daten durchgeführt werden, was die Genauigkeit auf über 95 % bringt.

Kann die KI auch Fertigungsstücklisten mit Arbeitsgängen erstellen?

Die Grundversion erstellt Konstruktionsstücklisten (eBOM). Für Fertigungsstücklisten (mBOM) mit Arbeitsgängen, Rüstzeiten und Maschinenauswahl ist ein Zusatzmodul erforderlich, das auf Ihre Fertigungskapazitäten trainiert wird. Kosten: ca. €8.000 einmalig.

Wie lange dauert die Einführung im Unternehmen?

Rechnen Sie mit 4–6 Wochen vom Kick-off bis zum produktiven Einsatz: 1 Woche Systeminstallation, 1–2 Wochen Normteil-Datenbank anpassen, 2 Tage Schulung, 2 Wochen Parallelbetrieb. Während des Parallelbetriebs erstellen Konstrukteure die Stückliste manuell und per KI, um die Ergebnisse zu vergleichen.

Lohnt sich die KI-Stückliste auch für kleine Konstruktionsbüros mit 2–3 Personen?

Ab ca. 10 Baugruppen pro Monat rechnet sich der Einsatz. Für kleinere Büros gibt es Cloud-Varianten mit nutzungsbasierter Abrechnung ab €290/Monat — ohne Einmalkosten für Serverinfrastruktur. Die Zeitersparnis liegt selbst bei kleinen Teams bei 15–20 Stunden pro Monat.

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